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Ein neuer Tag

Ein neuer Tag hat begonnen. Eine neue Woche hat angefangen.

Die letzten zwei Tage waren wieder hart. Die Wochenenden sind immer hart. Es passiert nicht viel und ich bin alleine mit mir selbst und meinen Gefühlen und Gedanken. Mehrere Male kamen Panikattacken hoch. Immer wieder dieses Gefühl der Unerträglichkeit. Ich habe noch nicht richtig gespürt, worauf sich diese Unerträglichkeit bezieht. Auf das Gefühl ungeliebt zu sein? Oder das Gefühl, dass mir nicht zu helfen ist?

Gestern habe ich in Peter Levines Buch "Sprache ohne Worte" gelesen. Über das Einfrieren der Gefühle. Ich spüre auch bei mir dieses Eingefrorensein, wie erstarrt und fest. Kein Fluss der Gefühle und der körperlichen Empfindungen. Ich habe auch gelesen, wie wichtig die eigenen Ressourcen sind für die Genesung. Ich habe versucht mich daran zu erinnern, was meine Ressourcen sind, wann ich mich in meinem Leben gut gefühlt habe. Ich konnte nicht viel finden. Die meiste Zeit in meinem Leben habe ich mich leer, fremd, wie abgetrennt und haltlos gefühlt. Auch von außen betrachtet schöne Erlebnisse sind nicht intensiv in mich eingedrungen, so als wenn ich gar nicht richtig dabei gewesen wäre. Aber ich habe zwei Gedanken gefunden, die mich ein wenig beruhigen und besser fühlen lassen: einmal der Gedanke an einen Hund, der einer Bekannten gehört und der so lieb und schnuffig ist, dass mir, wenn ich an ihn denke, irgendwie ein wenig das Herz aufgeht. Und dann noch der Gedanke an Littlefoot, den kleinen Dinosaurier aus "In einem Land vor unserer Zeit", den ich als Kind so ins Herz geschlossen hatte. Ich stelle mir dann immer vor, wie er fröhlich und pummelig durch eine Blumenwiese hüpft oder mit mir auf einer Schaukel sitzt. Auch das bringt mich vage zum Lächeln.

Ansonsten sind alle anderen Erinnerungen, Gegenstände, Orte oder Menschen irgendwie nicht unbelastet. An den allermeisten hängen auch negative Gefühle. Es kann aber auch sein, dass ich die positiven nicht wirklich spüre.

Ich habe mich sehr alleine gefühlt gestern. Irgendwann dachte ich, dass mir keiner helfen wird, Ressourcen zu schaffen, wenn ich es nicht selber tue. Ich zwang mich dazu meine Wohnung ein klein wenig aufzuräumen. Ich beduftete mit Primavera "Harmony" meine Wohnung, machte mir einen Brennnesseltee und ließ mir ein Kräuterbad ein. Als ich in die Wanne stieg, während im Hintergrund beruhigende Musik lief (https://www.youtube.com/watch?v=MNJDn8VcZ9Q), die Wärme spürte, wie sie meinen abgemagerten und schwachen Körper umspülte, spürte ich eine große Traurigkeit hochkommen. Mein Leben lang habe ich mir Liebe von außen gewünscht, eine in mir ruhende Liebe für mich selbst habe ich nie gespürt. So habe ich auch nie etwas aus Liebe zu mir selbst getan. Mir selbst etwas gut tun fühlt sich so falsch an, als wenn ich es von mir nicht annehmen könnte, als ob ich es nicht verdient hätte. Irgendwie dringen selbst-wertschätzende Handlungen nicht in meine Seele. Und trotzdem habe ich nach einigen Tränen etwas loslassen können. Ich begann es zu genießen wie es mir ging in der Wanne. Der Kräuterduft des Badeöls, die Wärme des Tees, wie sie in meinen Bauch floss.

Danach machte ich mich recht schnell bettfertig. Ich stellte eine Kerze auf und las noch etwas in Levines Buch. Seltsamerweise, obwohl es mir körperlich etwas besser ging, spürte ich verstärkt Zuckungen und ein Bitzeln, vor allem in meinem rechten Bein. Es bildete sich wie eine Art anschwellender Knoten in meinem rechten Gesäß, so als ob dadurch die Nerven abgetrennt würden und bis zum Fuß hinunter die kleinen Nerven zu bitzeln anfingen. Ich weiß nicht, ob mein Körper damit etwas sagen will, was nicht eine körperliche sondern eine seelische Ursache hat. Aber auch in meinem Gesicht gab es Pochen und leichten Schmerz.

Im Körper ist alles gespeichert, was wir jemals erlebt haben. Und nur durch den Körper lässt sich die durch unsere Erlebnisse entstandene Energie wieder ableiten. Diese Energieentladung kann leise, fast unmerklich von statten gehen oder eruptiv in großen Wellen. Schön sieht man das in folgendem Video: https://www.youtube.com/watch?v=eT4060GeodI

Das, was der Eisbär unwillkürlich von sich abgibt, ist die durch die Schocksituation aufgestaute Energie. So sollte es bei uns Menschen auch sein. Die Reflexe und instinktiven Reaktionen von uns Menschen jedoch werden überlagert von unserem neokortikalen Denken, eine natürliche Abreaktion kann so nicht erfolgen. Diese gilt es in der Traumatherapie nachzuholen, den Fluss der Energie im Körper wieder anzuregen und so die Energie wieder beweglich zu machen.

Aber ich frage mich, ob es bei mir so einfach sein wird. Mein Trauma ist nicht nur ein Schocktrauma. Die Retraumatisierung nach der Trennung hat zwar schwere Panikattacken verursacht, ich habe Todesangst gefühlt und das Gefühl gehabt, dass ich nicht mehr weiterleben kann, wenn mich dieser Mann nicht liebt. Es gibt bei mir noch einen anderen Aspekt. Ich suchte immer schon Liebe, hatte schon immer Angst vor dem Verlassenwerden. Irgendwann wurde ich in meiner frühen Kindheit verlassen, emotional alleine gelassen. Wenn Kinder emotional verlassen werden, können sie sterben. Experimente in den 60er Jahren haben dies bestätigt. So ähnlich muss das bei mir abgelaufen sein. Und weil dieses Gefühl sterben zu müssen so unerträglich ist, habe ich es abgespalten. Durch die Trennung ist es wieder hochgekommen, wenngleich ich es nicht vollständig fühlen konnte. Meine Abwehrmechanismen, mein Widerstand waren zu stark.

Heute Mittag habe ich einen Therapietermin. Frau Susanne sehe ich heute das erste Mal. Die Telefonate waren sehr angenehm. Ich bin sehr gespannt. Sie hat Focusing und Somatic Experiencing gelernt und meinte auch mit Bindungs- und Entwicklungstrauma Erfahrung zu haben.

Morgen beginnen dann meine Neurofeedback-Sitzungen. Auf diese bin ich auch schon sehr gespannt. Bei Bindungstrauma sollen diese auch anschlagen. Aber ich habe auch Angst, dass dies bei mir nicht der Fall sein wird. Ich habe so große Angst, dass bei mir gar nichts wirklich anschlägt und ich für immer dieses Leben ohne Liebe führen muss.

23.1.17 08:28

Letzte Einträge: Wie vor 35 Jahren..., 1. Neurofeedback-Sitzung, 2. Neurofeedback-Sitzung und Entdeckung der Scham

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